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Lindenbast

Lindenbast

Steinharte - Knochenarbeit

Hirschgeweih Harpunen (Replik)

Foto & Text M. Pfeifer

Herstellung einer Lindenbastschnur für ein FischernetzEs wurden nur hochwertige Fasern ausgewählt, damit eine haltbare und reißfeste Schnur für die Netzherstellung entstehen kann, die Bastfasern wurden auf eine Länge von etwa 40 cm zugeschnitten. Diese feinen Fasern habe ich zweilagig verdrillt und sorgsam die 40 cm Stücke ineinander verbunden, so dass eine sehr lange und dünne Schnur entstehen kann. In einer Stunde kann eine geübte Person ca. zwei Meter Schnur herstellen, sie ist dann 1,5 mm dick, auf dem Kneul sind 20 m.

Der wenig bekannte Lindenbast und seine besonderen Eigenschaften begeisterten mich so nachhaltig, dass ich über seine vielfältige Verarbeitung und Anwendung berichten möchte. Um so gegebenenfalls die bekannte Literatur zu ergänzen.Das Material ist mehrere 1000 Jahre alt und hat unseren Vorfahren nützlich gedient. Sie wussten von der Herstellung und gaben Ihr Wissen über Jahrtausende an ihre Nachkommen weiter.Heute wird Lindenbast noch in Russland und in Asien hergestellt.Bei der Herstellung von Lindenbast sind mir die „Augen“ aufgegangen. Das Wissen unserer Ahnen, die genauen Kenntnisse über die Natur und deren Materialien sind einfach genial gewesen. Mit einfachsten Mitteln konnten sie der rauhen Wildnis viele nützliche und wichtige Dinge des täglichen Lebens abringen, sie waren handwerklich geschickte und ideenreiche Menschen.Bei uns in der hektischen modernen Zeit sind fast alle alten Handfertigkeiten, Feingefühl und Beobachtungsgabe für die Natur verloren gegangen. Nun zu der Herstellung von Lindenbast:Den gefällten Lindenstamm habe ich im Garten in schattiger Lage, auf humushaltigen Boden abgelegt und mit welkem feuchten Laub abgedeckt. Stamm und Abdeckung mussten ca. 12 Wochen feuchtgehalten werden. Dieser Vorgang ist wichtig, da der Stamm „rotten“ soll. Dieses geht im Sommerhalbjahr schneller als in der kalten Jahreszeit. (Kompostierung)Nach drei Wochen ist ein Kribbeln und Krabbeln am Stamm zu beobachten. Asseln, Würmer und Mikroorganismen sorgen für die äußerliche Verrottung der Lindenrinde, Pilze und Mikroben siedeln sich zwischen der Rinde und dem Stamm an. Durch die voranschreitende „Verrottung“ in den Schichten der Rinde selbst findet ein Vorgang statt, der den Bast entstehen lässt. Chemische Vorgänge in der Rinde sorgen dafür, dass die Fasern der Rinde zu trennbaren Baststreifen werden.Nach der 12 wöchigen Lagerung haben Assel und Co. die Rinde teilweise abplatzen lassen und erleichtern mir die „Ernte“. Ohne Hilfsmittel, mit bloßer Hand lässt sich nun die Rinde vom Stamm lösen und abziehen. Die abgetrennte Rinde sollte in warmer Jahreszeit schnell weiterverarbeitet werden, da sie nach dem Austrocknen wieder steif wird.Die „frische“ Rinde kann jetzt aufgespaltet werden, die dem Stamm anliegenden Schichten ergeben feine und hochwertige Fasern (für Angelschnüre, Nähgarn usw.),die zur Mitte liegenden Schichten sind gute Fasern für Seile und Schnüre (Wicklungen), die nach außen liegende Schicht erinnert mich an Kokosfaser, sie ist spröde und rau deshalb auch nur minderwertig. (für Flechtarbeiten) Frisch „geerntet“ hat der Bast einen dumpfen kompostähnlichen Geruch. Aus den Bastfasern habe ich Schnüre hergestellt, die für Wicklungen (Fixierung) von Harpunen und Aalstechern dienen. Seile von beliebiger Länge und verschiedener Dicke konnte ich aus den Fasern herstellen, sie sind sehr stabil und eingefettet auch lange haltbar und sogar seewasserfest.Ein Lindenstamm von 8 m Länge ergibt insgesamt ca.50 m knotenloses und dreikardeliges, 20 mm dickes handgedrilltes Seil und eine ebenso lange 5 mm dicke Schnur. Ein 20 mm dickes Seil dauerte bei meinen Versuchen in steinzeitlicher Machart ca. 50 Min. für einen Meter. Die Menschen der Jäger und Sammler waren sicher flinker. (Übung macht den Meister).Aus gedrehten Lindenbastschnüren habe ich mit der „Einnadeltechnik“ kleine Körbe, Mützen und großflächige Matten in Jäger und Sammler „Qualität“ hergestellt. Es ist ein wunderbarer Rohstoff für die „Handarbeit“, uns aber leider in der modernen Zeit nicht mehr bekannt.Ich nenne den ganzen Vorgang der Lindenbastherstellung „Rottung“, da es ähnlich wie im Komposthaufen abläuft.In der von mir durchsuchten Fachliteratur wird der Vorgang der Lindenbastherstellung oft „Tauröste“ genannt, aber Rösten hat mit Hitze und Feuer zu tun, das ist nicht ganz richtig. Bei meinen Versuchen habe ich nicht mit Feuer gearbeitet, nur die Wärme bei der „Rottung“(Kompostierung) war zu beobachten.Geschichtliches über Lindenbast. In nahester Umgebung meiner Heimatstadt Neustadt-Holstein zeigen Funde von Ausgrabungen in der Ostsee, (Neustadt-Marienbad, Rosenhof - OH, Timmendorf – Nordmole – Mecklenburg - Vorpommern und Dänemark), das in der endmesolithischen und Ertebolle Kultur die Menschen Lindenbast (also auch die Herstellung) kannten. Es kamen geschäftete Klingen mit Holz und Lindenbast, Schnüre, Fischreusen mit Wicklungen aus Lindenbast und ein Angelhaken aus Knochen mit Lindenbastschnur zu Tage.Es ist also zu erkennen, dass Lindenbast ein wichtiger Bestandteil der Werkzeug, Jagd - und Fischereigeräteherstellung vor 6000 Jahren war.Jüngere Funde aus Schleswig und Dänemark zeigen, das die Wikinger, Slawen und Wenden ihre Schiffe und Boote mit Seilen aus Lindenbast ausgerüstet hatten. Die Takelage der Segelschiffe hatte starke Stürme zu ertragen und musste daher sehr stabil und haltbar sein. Jetzt wissen wir von der Herstellung und das ungefähre Alter des Lindenbastes, aber was wissen wir über die Linde?Die Linde kann 1000 Jahre alt werden und man sagt, sie komme 300 Jahre, sie stehe 300 Jahre und sie gehe 300 Jahre. Sie kann bis zu 25 m hoch wachsen und besitzt eine erstaunliche Vitalität.Das Holz der Linde ist dauerhaft, leicht schneidbar und eines der besten Schnitzhölzer. Vielfach sind Altarfiguren in Kirchen aus Lindenholz geschnitzt. Lindenblüten werden als Tee gegen Erkältungen und Fieber genutzt. Aus Lindenblütenwasser werden ätherische Öle extrahiert und bei der Parfümherstellung verwendet. Honig aus Lindenblüten wirkt nervenberuhigend. Schon bei den Römern war Lindenblütenhonig wichtig. Damals war Honig die einzige Art von Zucker, und so wurden die Linden während der Blütezeit sogar von Soldaten beschützt.Die Linde ist seit langen Zeiten ein wichtiger Baum für die Deutschen und hatte Einfluss auf viele Lebensbereiche. Linden waren der klassische Mittelpunkt der Dörfer. Hier wurden Versammlungen abgehalten, die die Geschicke des Dorfes betrafen. Allen Deutschen ist wohl auch die Nibelungensage von Siegfried und dem Drachen bekannt. Schon bei den Germanen wurde die Thingversammlung unter einer Linde abgehalten. Unter der Linde befanden sich Gerichtssaal und Gerichtsstätte zugleich, d.h., es wurde das Urteil gesprochen und gleich vollstreckt. Noch bis ins 18. Jh. wurde das Gericht unter der Linde abgehalten.Die Linde war schon den Germanen heilig. Oft war sie der germanischen Göttin Freya, der Göttin der Liebe und des Glückes, der Fruchtbarkeit und des häuslichen Friedens geweiht. Das Holz wurde zur rituellen Verbrennung der Toten verwendet. Die Linde ist seit jeher ein Baum des Volkes.Die Versuche der Lindenbastherstellung waren nur möglich, weil ich nette Leute in Lensahn kenne, die mir einen Lindenstamm zu Verfügung gestellt haben. Mein Dank an Herrn Hamann und seinen Mitarbeitern vom Museumshof - Lensahn für die Linde.

Lindenbastschnurreste aus der Zeit der Jäger und Sammler von der Grabung Neustadt Marienbad.

ein Siebgeflecht aus Lindenbast

Für die vorzeitlichen Schiebemühlen wollte ich schon lange mal ein Sieb für die Mehlgewinnung fertigen, nun ist es so weit. Das Geflecht wird aus Lindenbast gefertigt und soll in einem Rindenrahmen eingespannt werden. Es wird aber noch dauern und der Werdegang wird hier weiter vorgestellt werden. Bisher sind 7,4 m Lindenbastschnur für die senkrechten Schnüre hergestellt worden. (2,5 Std.)

hier die Materialien und die erste querverlaufende Zwirnbindung

die ersten fünf Reihen sind in Zwirnbindung von li. nach re. gefertigt worden. Für eine Reihe brauche ich 25 Min. für die Zwirnbindung, es ist eine sehr fummilige Arbeit und braucht schon etwas Übung.

hier sind 19 Reihen fertig gestellt